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Einleitung

by admin — last modified 08.02.2005 00:14 Uhr
Zur Geschichte einer Gemeinde gehört auch als wesentlicher Teil ihrer Kulturgeschichte eine Darstellung der Bemühungen ihrer Bürger um die Bildung der jeweils nachwachsenden Generation. Es erscheint mir deshalb angebracht, daß man im Jubiläumsjahr auch die Entwicklung des Berger Schulwesens von seinen Anfängen bis zu seinem gegenwärtigen Stand wiederum betrachtet. In den während der letzten drei Jahrzehnte in Berge herausgegebenen Heimatschriften sind auch immer wieder Beiträge veröffentlicht worden, die Aufschluß über die Entwicklung und Arbeit der einzelnen Schulen in Berge geben (vgl. Anmerkungen, 1-4). Es handelt sich dabei meist um die Geschichte einzelner Schulformen, die auch recht ausführlich beschrieben wurden, doch es fehlte bisher eine Gesamtdarstellung in chronologischer Folge. Eine solche soll nun nachfolgend versucht werden, wobei sich der Schreiber dieser Zeilen an die Auflage der Herausgeber der Festschrift halten muß, eine bestimmte Seitenzahl nicht zu überschreiten. Die angestrebte Gesamtdarstellung soll deshalb hier in der Art einer tabellarischen Übersicht mit stichwortartigen Erläuterungen gegeben werden. Zuvor sind jedoch noch einige einführende Bemerkungen notwendig.
Im Gegensatz zur Entwicklung in anderen Kirchspielen des Osnabrücker Landes ist über das Vorhandensein einer Schule in Berge aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) nichts bekannt. Der Beginn des allgemeinbildenden Schulwesens in Berge kann nach den verfügbaren Quellen erst für die Jahre unmittelbar nach dem Westfälischen Frieden angenommen werden. Ursprünglich gab es nach der in jener Zeit für das Hochstift Osnabrück festgelegten Kirchenordnung in jedem Kirchspiel nur eine Schule, die Kirchspielschule. In den rein katholischen Kirchspielen (wie Ankum) waren dies stets katholische Schulen, in den evangelischen Kirchspielen (wie Bippen, Börstel, Menslage) stets evangelische Schulen, deren Lehrer zumeist auch das Küsterund Organistenamt wahrnahmen. In den Orten, in denen beide Konfessionen ihren Platz behauptet hatten (z.B. in Quakenbrück, Badbergen, Vörden), gab es zwei Schulen.
Das Kirchspiel Berge, mit einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Einwohnern lutherischen Glaubens (besonders in den Bauernschaften Anten, Dalvers, Schmone, Vgl. Dobelmann S. 161 u. 169) wurde durch die „Capitulatio perpetua" von 1650 (Immerwährende Verordnung) für katholisch erklärt. Dies hatte zur Folge, daß im Kirchspiel Berge nur eine katholische Schule zugelassen war. Der evangelische Teil der Bevölkerung mußte nun seine Kinder, wollte er diese nicht in die Berger Kirchspielschule schicken, in die evangelischen Schulen nach Bippen, Börstel oder in die Heidschule Renslage, einer Nebenschule der evangelischen Kirchspielschule Mcnslage, schicken. Die Nebenschulcn oder „Winkelschulen", die von andersgläubigen Eltern ins Leben gerufen worden waren, um ihren Kindern weite und beschwerliche Schulwege zu ersparen, sind bis über die Mitte des 18. Jahrhunderts immer wieder strikt verboten worden unter Berufung auf die „Capitulatio perpetua", weil sie von der bischöflichen Behörde als „gefährlich" angesehen wurden.
Bei der Betrachtung der schulischen Entwicklung im Raum der heutigen Gemeinde Berge lassen sich meiner Meinung nach zwei Grundbestrebungen feststellen, die die Entwicklung vorangetrieben und denen wir die Bildungsstätten in Berge, wie sie heute vorzufinden sind, mit zu verdanken haben. Es ist das von Anfang schon zu erkennende Bestreben des evangelischen Teils der Bevölkerung, in Berge auch eine Schule seines Bekenntnisses zu errichten und deren Bestand zu sichern. Dieses Bestreben blieb nicht ohne Erfolg, und es führte dazu, daß auch in Berge ein für damalige Verhältnisse zufriedenstellendes schulisches Angebot für die ehemals noch viel mehr als heute in ihre Konfession eingebundenen Menschen entstand, das im Laufe der Zeit mit den wachsenden Schülerzahlen beide Konfessionsschulen auch mehr ausgebaut werden konnte. Wenn auch das Ringen der evangelischen Eltern um eine eigene Schule bestimmt nicht gleich auf die Zustimmung der katholischen Seite gestoßen war und gewiß auch zu manchen Auseinandersetzungen geführt haben mochte, so hat sicherlich das Eintreten für das eigene Bekenntnis und das Festhalten an ihm im schulischen Bereich auch mit zur Ausprägung eines regen Gemeindelebens in den beiden Kirchen geführt, das heute noch das Fundament des Zusammenlebens in Berge bildet. Die Kirchengemeinden stehen nicht mehr gegeneinander oder leben nur nebeneinander her, sondern suchen längst über ihre Hirten und Gemeindemitglieder, zu denen auch die in Berge ansässige Lehrerschaft zählt, das Miteinander. Am Gedanken der Konfessionschule wurde aber in Berge bis heute festgehalten, mit Ausnahme der Unterbrechung während der NS-Zeit.
Neben dem Bestreben nach einem konfessionell gegliederten Schulwesen stand dann auch bald als Zweites das Bemühen vornehmlich des gewerbetreibenden Teils der Berger Einwohnerschaft, seinen Kindern eine bessere Bildung angedeihen zu lassen als man selbst genossen hatte. Man suchte dies lange Zeit durch die Einrichtung und Unterhaltung einer Privatschule zu gewährleisten, fügte sich dann in das vom Staat gewollte Konzept für eine mittlere Schulbildung in der NS-Zeit und nutzte nach dem Kriege die vom Gesetzgeber (Land Niedersachsen) geschaffenen Möglichkeiten voll aus. Die Einrichtung einer Realschule in Berge im Jahre 1967 ist das Ergebnis solcher Bemühungen, und das Bestreben, ihren Bestand langfristig zu sichern, bestimmte seither auch das politische Handeln aller gewählten Berger Vertreter in den Kommunalparlamenten.

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