Die H10 in der Artland-Kaserne
Kapitänleutnant Lüttgenau begann die Führung mit einem Vortrag über die Bedeutung des Standortes und die durch die Bundeswehr-Reform anstehenden Veränderungen. Mehr als 150 Soldat/inn/en und 16 Zivilangestellte sind in Quakenbrück tätig, diese Zahl wird sich nach der Bundeswehrreform noch vergrößern.
Dann begann der Rundgang. Zu Beginn wurde die absolute Unabhängigkeit von äußeren Bedingungen der gesamten Anlage verdeutlicht, etwa die eigene Strom- und Wasserversorgung. Dabei wurden die Ziele des Standorts genannt: So wird sicher gestellt, dass jeder Soldat überall auf der Welt die qualitativ gleiche medizinische Versorgung wie in der Heimat hat. Ein weiteres Ziel ist die Effiziens der Logistik, damit innerhalb von 72 Stunden jede Aufgabe bewältigt werden kann.
Dass die Logistik eine überragende Bedeutung hat, wurde den Schüler/inne/n bei der Besichtigung der vielen Gebäude auf dem Gelände klar. Die Lagerung vieler Medikamente, die Protokollierung jedes einzelnen Schritts vom Erhalt der Medikamente bis zur Verteilung an die Soldaten, der Versand und Transport oder die Kontrolle der Waren und schließlich die Entsorgung des anfallenden Sondermülls (abgelaufene Medikamente / verwendete Materialien) sind nur einige Dinge, die genau durchdacht die tägliche Arbeit der Soldaten in Quakenbrück kennzeichnen. So werden die Medikamente in großen Tiefkühlräumen gelagert, für medizinisch-technische Geräte gibt es Werkstätten, die problematischen Abfälle werden verbrannt.
In Quakenbrück arbeiten Fachleute vor allen Dingen aus dem medizinisch-technischen oder pharmazeutischen Bereich. Sie stellen speziell für bestimmte Einsatzgebiete auch einige Medikamente oder auch medizinisch-technische Geräte her, etwa Brillen, wobei deren Gläser je nach Umgebung aus unterschiedlichem Material bestehen.
Die Soldaten und Soldatinnen durchlaufen auch eine normale Grundausbildung, so konnten die Schüler beim Rundgang sehen, wie eine kleine Gruppe von Soldatinnen den Umgang mit der Pistole P8 übten. Auf die Frage, ob Sanitäter bewaffnet sein dürfen, verwies Kapitänleutnant Lüttgenau auf die Gültigkeit der Genfer Konvention, wenn sie von beiden Seiten eingehalten werde. Die Erfahrung in den neuen Einsatzgebieten jedoch zeige, dass Sanitätssoldaten als „weiche Ziele“ bevorzugtes Ziel von Angriffen oder Anschlägen sind, was äußere Zeichen wie das rote Kreuz auf LKW oder fehlende Bewaffnung problematisch mache.
Ganz herzlichen Dank an Herrn Kapitänleutnant Lüttgenau für die spannende Führung in der größten Apotheke Deutschlands!