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Eine Überlebende der Konzentrationslager besucht die Oberschule am Sonnenberg in Berge

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Erna de Vries Erna de Vries
Gebannte Zuhörer/innen am Ende ihres Vortrags Gebannte Zuhörer/innen am Ende ihres Vortrags
Die Schulleitung verabschiedet sich von Frau de Vries und Herrn Gander Die Schulleitung verabschiedet sich von Frau de Vries und Herrn Gander
Frau Erna de Vries hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, als eine der letzten Überlebenden des industriell organisierten Massenmordes an Menschen jüdischen Glaubens im Dritten Reich von ihren Erlebnissen zu berichten. Dies hatte sie ihrer Mutter versprochen, die nicht überlebt hat.

Frau de Vries war Teenagerin in Kaiserslautern, bis zur Machtergreifung waren ihre Eltern angesehene und vermögende Bürger. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, begannen ihre Erfahrungen mit Ausgrenzung und Entwurzelung: Ihr wurde etwa der Besuch ihrer damaligen weiterführenden Schule verwehrt, so dass sie nicht Ärztin werden konnte – erst ihre Kinder konnten später diesen Beruf ergreifen. In ihrer Schule wurden sie und ihre Mitschüler/innen von den übrigen immer wieder angefeindet und beleidigt. Hinzu kam die tägliche Entrechtung: Sie musste den Judenstern tragen, in ihrem Ausweis den Namen „Sara“ eintragen lassen und durfte nicht ohne Genehmigung der Behörden den Ort wechseln. Sie berichtete über die vielen Demütigungen bis hin zur Lebensgefahr bei den Verfolgungen vor dem Krieg – sie wurde beschimpft, die Wohnung ihrer Eltern wie auch die Synagoge in Karlsruhe wurden verwüstet und ihre Sachen wurden mutwillig zerstört, während sie sich auf einem Friedhof versteckten.

Da ihr die weiterführenden Schulen verschlossen blieben, machte sie eine Ausbildung zur Pflegerin und Krankenschwester. Als sie erfuhr, dass die Deportation ihrer Mutter bevorstand, schloss sie sich ihr an und beide wurden deportiert.

Die Fahrt in den Vieh-Waggons war der Beginn einer langen Leidensgeschichte durch viele Zwischenlager bis hin nach Ausschwitz-Birkenau, wo sie im Außenlager Harmense arbeitete. Nur wenige Sätze beschrieben die vielen menschenverachtenden Erfahrungen durch die gezielte Mangelversorgung und sinnlosen Arbeiten als Teil des Plans zur gezielten Ermordung der Insassen: Brot war im Lager „Gold“ wert, das Fehlen von Trinkwasser während heißer Tage und harter Arbeit führte zu Krankheiten, die mangelnde medizinische Versorgung – eine Entzündung (Phlegmone) am Bein, unter der sie während der ganzen Zeit leiden musste, wurde nach dem Krieg in kürzester Zeit durch eine Salbe geheilt –, die ständige Todesangst.

90 Minuten lang war es mucksmäuschenstill in unserer Aula, die Schülerinnen und Schüler verfolgen die Erzählung gebannt und aufmerksam bis zum Schluss. Dann bot sich ihnen die Möglichkeit, Fragen zu stellen – und sie stellten die Frage, die uns bis heute beim Umgang mit diesem Teil der Geschichte beschäftigt: Konnte es sein, dass die Deutschen von diesen Verfolgungen nichts mitbekommen haben? Nein.

Zum Schluss bedankte sich Herr Beckmann bei Frau de Vries und bei ihrem Begleiter, Herrn Dr. M. Gander von der Gedenkstätte Augustaschacht, für ihre Bereitschaft, erneut unseren Schülerinnen und Schülern von dieser Zeit zu erzählen. Es sind unvergessliche Gelegenheiten, für die unsere Schule sehr dankbar ist.

by M. Wichmann last modified 04.02.2016 14:45 Uhr

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